So liefern aktive Aktienfonds echten Mehrwert
Lohnt sich der Gourmetpreis? Aktive Aktienfonds sollten den Active Share erhöhen und einer systematischen, disziplinierten Portfoliokonstruktions‑Methodik folgen.
Im Durchschnitt erfüllen aktive Aktienfonds nicht die Erwartungen, höhere Renditen als ihre marktkapitalgewichteten Benchmarks zu erzielen. Dies liefert starke empirische Evidenz zugunsten passiver Fonds. Doch es lohnt sich, die aktiven Aktienfonds genauer zu betrachten.
Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist der Active Share[1] des Portfolios – also der prozentuale Anteil des Portfolios, der sich von der Benchmark unterscheidet. Tatsächlich sind viele sogenannte aktive Fonds gar nicht so aktiv. Der niedrige Active Share wird durch den Wunsch getrieben, den Tracking Error gering zu halten, also die Abweichung von der Benchmark möglichst zu vermeiden, was für einen aktiven Fonds fast schon widersprüchlich klingt.
Dennoch zahlen Privatanleger für einen aktiven Fonds/ETF in der Regel rund 1.3% – 1.5% [2], während die Kosten eines rein replizierenden Indexfonds/ETF typischerweise im Bereich von 0.1% bis 0.5% liegen.
Die Kombination aus niedrigem Active Share und hohen Kosten macht es nahezu unmöglich, eine Mehrrendite zur Benchmark zu erzielen. Die folgende Tabelle zeigt die erforderliche Outperformance bei unterschiedlichen Active‑Share‑Niveaus, um allein die Fondskosten – approximiert durch die TER (Total Expense Ratio) – zu decken. Bei einem Active Share von 50% muss der Fondsmanager beispielsweise eine jährliche Outperformance von 2.6% auf den aktiven Teil des Portfolios erzielen, um eine TER von 1.3% p. a. zu kompensieren.

Performancevergleiche passiver gegenüber aktiver Fonds zeigen letztlich deutlich, dass Anleger häufig zu viel für Strategien bezahlen, die darauf ausgelegt sind, nahe an der Benchmark zu bleiben. Aus dieser Perspektive ist die Empfehlung, in kostengünstige Fonds und ETFs zu investieren, die marktkapitalgewichtete Indizes replizieren, vollkommen berechtigt.
Fügen wir einen weiteren relevanten Aspekt hinzu: Ein hoher Active Share ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung dafür, dass sich die höheren Kosten für Anleger auszahlen. Besonders bei hohen TER‑Niveaus ist die Erzielung der erforderlichen Outperformance über längere Zeiträume keineswegs selbstverständlich. Sie erfordert ein klare Investmentlogik sowie Systematik und Disziplin in der Portfoliokonstruktion.
Bei aktiv gemanagten Fonds, die auf Faktorstrategien basieren, ist entscheidend, wie stark die Titelselektion den Faktor widerspiegeln, den sie abbilden sollen. Eine aktuelle Studie[3] zu US‑basierten Fonds und ETFs zeigt im Durchschnitt keinen Mehrwert für das gesamte Universum aktiver, faktorbasierter Produkte. Allerdings finden die Autoren eine signifikante Performanceverbesserung bei jenen Faktor‑basierten Fonds, deren Portfolios im Zeitverlauf stärker dem theoretischen Faktor‑Portfolio ähneln. Anders ausgedrückt: Um Faktorprämien abzuschöpfen, muss der Portfoliokonstruktionsprozess systematisch und diszipliniert erfolgen.
Bei QuantArea bieten wir aktive Aktienanlagelösungen mit Kosten, die mit jenen passiver Fonds vergleichbar sind. Noch wichtiger: Unsere Strategien basieren auf einer soliden theoretischen Grundlage und robuster empirischer Evidenz. Die Portfoliokonstruktion erfolgt systematisch und diszipliniert, wobei Aktien auf Basis einer detaillierten Fundamentalanalyse ausgewählt werden. Unser proprietärer Optimierungsansatz adressiert Risiken auf mehreren Ebenen und ermöglicht höhere Active‑Share‑Werte (und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Outperformance zu erzielen), innerhalb eines klar kontrollierten Tracking‑Error‑Budgets.
Es resultiert ein deutlicher Mehrwert im Vergleich zu passiven, indexreplizierenden Fonds und ETFs. Anleger müssen für die Fondsgebühren einen echten Mehrwert erhalten. In den meisten Fällen zahlen sie viel und bekommen vergleichsweise wenig.
24. Februar 2026
Carmine Orlacchio, CIO
[1] Cremers K. M., Petajisto A., How Active Is Your Fund Manager? A New Measure That Predicts Performance, 2009, Review of Financial Studies
[2] Dieses Thema steht im Fokus des Europäischen Parlaments https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-updates-supervisory-work-closet-indexing. Im Vereinigten Königreich wurden 2019 mehrere Fondsgesellschaften wegen unfairer Praktiken bestraft – konkret dafür, Fonds als aktiv zu vermarkten und höhere Gebühren zu verlangen, obwohl sie im Wesentlichen eine passive Indexreplikation betrieben. Ähnliche Fälle werden derzeit in Kanada untersucht
[3] Cremers K. M. et al., Factor Investing Funds Replicability of Academic Factors and After-Cost Performance, November 2022, SSRN