Im Notfall: Aktivieren Sie die Faktorsteuerung!
Der einmalige Wandel der politischen und wirtschaftlichen Doktrin in den USA hat Investoren verunsichert zurückgelassen. In einer Welt voller Unsicherheiten ist es umso wichtiger, das Portfolio mit allen Diversifikationshebeln zu strukturieren – einschliesslich der oft vernachlässigten Faktorsteuerung.
Die zögerlichen, unkonventionellen Massnahmen der US-Regierung, gepaart mit wenig überzeugender Kommunikation, haben das Vertrauen in die aussergewöhnliche Stellung der US-Finanzmärkte ins Wanken gebracht. Investoren mit einer hohen US-Aktienquote sollten sich fragen, ob ein angemessenes Risikomanagement nicht eine ausgewogenere Allokation in den US-Dollar sowie in den US-Aktien- und Anleihemarkt erfordert. Diese drei Märkte gehören zu den liquidesten weltweit – in den Bereichen Währungen, Anleihen und Aktien. Das bedeutet: Unabhängig von der eigenen US-Exponierung haben Entwicklungen in den USA weitreichende Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte – insbesondere über sekundäre Effekte auf die Systemliquidität. Angesichts dieses einmaligen Wandels stehen Investoren vor einem erheblich höheren Grad an Unsicherheit. Daraus folgt: Es braucht die maximale Diversifikation – abgeleitet aus dem strategischen Anlageprozess.
Werfen wir einen Blick auf Aktieninvestitionen: Der US-Aktienmarkt stellt rund 70 % der entwickelten öffentlichen Märkte und 65 % des weltweiten Aktienmarkts (gemäss MSCI-Index). Die US-Indizes weisen eine hohe Sektor- und Titeldominanz auf. Zudem notieren sie auf historisch hohen Bewertungsniveaus – mit deutlichen Bewertungsunterschieden im Vergleich zu anderen Märkten. Schuldenstand, Handels- und Haushaltsdefizit belasten den US-Dollar. Die fiskalische, politische, gesellschaftliche und geopolitische Lage ist fragil.
Eine einfache Form der Diversifikation ist die Allokation nach Regionen und Sektoren. Wer einen Schritt weiter gehen möchte, sollte auch fundamentale Merkmale wie Faktoren und Stilprofil der Investments berücksichtigen. Letztere lassen sich nicht auf den ersten Blick aus einem Portfolio ablesen. Der Aufbau ausgewogener Aktienstrategien erfordert eine aktive Steuerung und gezielte Positionierung hinsichtlich dieser Merkmale – etwa Value, Profitabilität, Low Volatility, Wachstum oder Grösse. Die aktive Steuerung dieser Merkmale trägt dazu bei, ein Portfolio über unterschiedliche Marktphasen hinweg zu stabilisieren – vor allem bei Strategien, die über eine einfache Marktkapitalisierungs-Replikation hinausgehen.
Wer Benchmarks repliziert, nimmt automatisch Konzentrationsrisiken auf Länder-, Sektor- und Einzeltitelebene in Kauf – und setzt sich oft unbewusst einem unausgewogenen Faktor-Exposure aus. Schon mit leicht erhöhtem Tracking Error lassen sich diese Risiken gezielt adressieren. Alternativ kann eine ausgewogenere Benchmark gewählt und aktiv gemessen werden.
In unsicheren Zeiten ist es wichtiger denn je, Portfolios mit allen Diversifikationshebeln zu strukturieren. Echte Diversifikation geht über blosse nominale Allokation hinaus. Es kommt darauf an, gezielt die zugrunde liegenden Performancetreiber auszuwählen und zu kontrollieren, sei es durch fundamentale oder preisbasierte Merkmale.
Bei QuantArea entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen, die sowohl die Allokation als auch die gezielte Positionierung entlang fundamentaler Einflussfaktoren berücksichtigen. Durch diese aktive Steuerung von gewünschten und unerwünschten Faktoren lässt sich das Verhältnis von Risiko und Ertrag deutlich verbessern.
Carmine Orlacchio, 18.06.2025